NEUANFÄNGE

Geistliches Wort

Wenn wir in diesen Tagen nach draußen schauen, sehen wir ihn überall: den Neuanfang

Der Frühling hält Einzug. Nach der langen, kalten Winterzeit erwacht die Natur zu neuem Leben. Blumen beginnen zu blühen, Bäume schlagen aus, die Sonne gewinnt an Kraft und schenkt uns Wärme. In den Gärten wird wieder gearbeitet, gesät, geplant, voller Hoffnung darauf, dass Neues wachsen kann. Dieser sichtbare Neuanfang in der Natur berührt mich. Er erinnert mich daran, dass Veränderung möglich ist, dass Leben sich erneuert, auch wenn zuvor alles still und karg erschien. Auch für mich persönlich ist diese Zeit ein Neuanfang. Als Vikarin bin ich neu in dieser Gemeinde. Neue Aufgaben liegen vor mir, neue Herausforderungen, aber vor allem viele neue und besondere Begegnungen. Für all das bin ich sehr dankbar. Ich erlebe Offenheit, Interesse und viele Gespräche, die mich bereichern. Und doch sehe ich auch die Herausforderungen, vor denen wir als Gemeinde stehen: Gemeinden werden kleiner, verlieren Mitglieder und werden älter. 

Das kann verunsichern und Fragen aufwerfen: Wie geht es weiter? Wie kann Gemeinde lebendig bleiben? Vielleicht braucht es gerade hier einen Neuanfang. Einen, der nicht alles Alte verwirft, sondern Neues wachsen lässt. In der Offenbarung des Johannes heißt es: 

„Siehe, ich mache alles neu!“ 

Dieses Wort kann uns Mut machen. Es erinnert uns daran, dass Veränderung nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch Chance ist. Gemeinde neu zu denken und neue Wege zum Glauben zu finden, ist eine Aufgabe, die uns alle betrifft. Nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern jede und jeder Einzelne ist eingeladen, mitzugestalten, mitzugehen und mitzutragen. Ich glaube, dass gerade in unserer heutigen, oft unbeständigen Zeit der Glaube eine besondere Kraft hat: Er schenkt Halt, macht Mut und spendet Trost. 

Vielleicht ist genau das der Boden, auf dem Neues wachsen kann – in jedem von uns und in unserer Gemeinde. So wie der Frühling uns zeigt, dass das Leben immer wieder neu beginnt, dürfen auch wir darauf vertrauen, dass Gott Neues wachsen lässt – mitten unter uns.

Ihre Vikarin Josephine Döring

 

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